Chateau Mort im Tatort und Investitionen in Wein

Chateau Mort

Ich muss gestehen, dass ich kein Tatort Fan bin. Vielleicht habe ich einfach einen zu großen Teil meines Lebens im Ausland verbracht und bin so nie richtig rein gekommen. Als gestern aber der Titel Chateau Mort versprach, dass es um Wein geht, konnte ich mich nicht davon abhalten lassen einzuschalten. Das Thema Investition in Wein ist ein spannendes und Weine die für unglaubliche Summen gehandelt werden gibt es tatsächlich … Mal abgesehen davon, dass die ARD Redakteure und der Weinexperte Hans Lichius etwas Hilfe gebraucht hätten (“Die Flasche ist mundgeblasen… vielleicht ein Bordeaux… man kann sich aber nicht sicher sein”- Wenn Lafite auf der Flasche steht ist es ein Bordeaux!).

Als 2000 bei der Napa Valley Wein Auktion der Hammer fiel und Chase Bailey den Zuschlag bekam, konnten die Anwesenden es kaum fassen, was soeben passiert war. Der ehemaliger Cisco Systems Manager hatte 500.000 US Dollar für eine Flasche Screaming Eagle geboten. Zugegebenermaßen handelte es sich um eine, mit 6 Liter Fassungsvermögen recht große Flasche, aber nichtsdestotrotz war das die höchste Summe, die je für einen Wein ausgegeben wurde.

Wein ist schon lange ein Prestigeobjekt, und die besten Weine können schnell mehr als tausend Euro pro Flasche kosten. Bei gewissen Weinen kann sich der Kauf dennoch lohnen, denn einige rare Weine steigen im Wert, während sie im Keller reifen. Die bekannten Auktionshäuser Christies und Sotheby´s haben Weinabteilungen, über die Kunden ihre Keller wahlweise leeren oder auffüllen können, und es gibt sogar Wine Funds, über die man in Wein investieren kann. Diese Funds sind oftmals aufgebaut wie Unternehmen der Finanzwelt und versprechen ihren Anlegern, mit Wein ihr Portfolio diversifizieren zu können.

Das Versprechen ist nicht unbegründet, denn ausgewählte Weine bieten tatsächlich eine Gelegenheit für ein spannendes Investment. Ein Extrembeispiel hierfür ist zum Beispiel der 1982er Petrus. Hätte man im Jahre 1983, als der Wein zum ersten Mal auf den Markt kam, zugeschlagen und hätte eine Kiste à 12 Flaschen zum Wert von 540 Euro gekauft, dann könnte man sie jetzt für 50.424 Euro wieder verkaufen! Diese Wertentwicklung wird auch ersichtlich durch den Leitindex des Weinmarktes, den Liv-ex 100, welcher in den letzten Jahrzehnten sogar Aktienindizes wie den DAX, den FTSE und den S&P 500 geschlagen hat.

Seit der Jahrtausendwende hatte der Weinmarkt enorm an Wert gewonnen, besonders angetrieben durch die Nachfrage in China. Preise für ausgesuchte Weine stiegen ins Unermessliche und der Wein, der am meisten davon profitierte, war Lafite. Warum die Chinesen eine so große Faszination gerade für diesen Wein empfanden, ist ungeklärt. Behauptet wurde, dass der Name einfacher für Chinesen auszusprechen ist als der von den Nachbarn Chateau Margaux und Latour, oder das es daran lag, dass das Weingut an die Spitze der Klassifikation von 1855 gesetzt wurde. Fest steht, dass die Chinesen besonders markenaffin sind und das Lafite eine enorm starke Marke in China ist. Bestimmte Weine werden sogar gerne gekauften, nur weil es eine Verbindung zum angebeteten Lafite gibt. So wurde der Zweitwein von Lafite, der Carruades des Lafite teurer gehandelt als manche Top-Weingüter der Region, selbst wenn der Carruades qualitativ nicht mithalten konnte.

Aber auch die Investition in Wein ist nicht ohne Tücken. Dem Boom folgte in 2011 der Bust und seitdem sind die Preise wieder enorm gefallen. Besonders die letzten Jahrgänge 2008, 2009 und 2010 litten darunter, dass sie schon zu teuer auf den Markt gebracht wurden, und der Liv-ex 100 ist seit 2011 um 35 Prozent gefallen. Ein wichtiger Grund für die negative Entwicklung sind neue Gesetze in China, die die Ausgaben von Parteimitgliedern deutlich eingeschränkt haben.

Die Frage, die mir oft gestellt wird lautet: Sind diese Weine es wirklich wert? Das ist eine schwere Frage, denn das kommt auf den Käufer selber an. Man kann sicherlich Weine finden, die bei vergleichbarer Qualität nur einen Bruchteil kosten. Aber beim Einkauf sind auch andere Faktoren wichtig: die Geschichte des Weingutes, die Konsistenz der Qualität über die Jahrzehnte und die Begrenztheit des Angebotes spielen hier eine große Rolle. Außerdem hat der Wert des Weines eine eigene Funktion. Ist der Wein besonders wertvoll, dann macht er natürlich mehr her auf dem Tisch eines schicken Restaurants oder als Geschenk für den Chef. In China wird ein großer Teil der hochwertigen Weine als Geschenk nur rumgereicht, von einem Parteifunktionär zum anderen sozusagen.

Die Antwort auf die Frage ist also: Wenn man nur nach der Produktqualität geht, sind diese Raritäten es nicht wert. Man kann sehr gute Weine, so richtig spannende Tropfen, für weniger als 30 Euro bekommen. Um diese Weine zu entdecken, braucht man aber einen guten Riecher und muss sich intensiv mit der Materie beschäftigen. Wenn es einem aber darum geht, einen besonderen Wein zu genießen, vielleicht sogar einen Klassiker, der entscheidenden Einfluss auf die Weinwelt hatte, so wie zum Beispiel der 1947 Cheval Blanc, und wenn man dann noch das nötige Kleingeld übrig hat, dann sollte man dennoch zuschlagen. Da sieht man dann doch, dass Wein und Kunst viel gemein haben, oder Wein sogar Kunst ist. Denn auch hier verkaufen sich die besten Kunstwerke für Millionen, während der gesamte Rest für wenig Geld gehandelt wird.

3 Comments

Joerg Hensiek

Einen wunderbaren Blog haben Sie da, Herr Baum! Ich selbst bin zwar eher Tatort- als Weinkenner bzw. -fan, aber ich kann nur sagen: Wer mit so viel Begeisterung, Kenntnis und Witz reinen Wein einschenkt, dem ist zu wünschen, dass er möglichst viele Genießer mit an Bord holt! Für meinen Teil werde ich Sie auf Ihrer Reise um die Welt auf der Suche nach den köstlichsten und erlesenen Tropfen sehr gerne und mit viel Freude weiter begleiten.

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Irene Baum

Als Tatortfan habe ich gestern oft an Dich gedacht und mich gefragt, was Du wohl zu dem Vorgehen sagen würdest. Nun weiß ich es – und noch einiges mehr.

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