Eine geniale Kombination

Moscato und Thaicurry

Es muss vor allem schmecken! Ist eine oft verwendete Weisheit, wenn es um die Kombination von Getränk und Gericht geht, und das stimmt zwar, ist aber ein wenig langweilig! Denn schmecken tut es in der Regel, wenn man etwas Gutes zu Essen hat und dazu ein guter Wein im Glas schwappt. Wonach ich aber strebe, wenn es um dieses Thema geht, ist die perfekte Kombination. Wenn es passt, dann geht das Erlebnis über das reine „Schmeckt!“ hinaus und bringt mich stattdessen in einen Zustand der Sinnesextase. Ich persönlich bevorzuge die Sinnesextase – und Du?!

Vor ziemlich genau 11 Jahren habe ich es das erst Mal auf dieses Level geschafft. Damals war ich mit Lisa in einem sehr guten französischen Restaurant. Wir konnten uns das Essen eigentlich nicht leisten, hatten aber zum Geburtstag ein neun Gänge Menu von unseren Freunden geschenkt bekommen. Das Essen war hervorragend, ich kann mich heute aber nur noch an einen Gang erinnern, und zwar die gebratene Gänsestopfleber mit Lebkuchengewürz. Die Leber war perfekt angebraten und lag verziert wie ein Kunstwerk vor mir auf dem Teller. Damals hat man noch nicht jedes Gericht fotografiert, ich habe diesen Gang aber noch vor meinem inneren Auge abgespeichert.

„Möchten Sie dazu eine Sauternes trinkän?“ fragte mich der Oberkellner. Ich hätte das Angebot beinahe ausgeschlagen, denn mein Auszubildendenlohn ließ Ausgaben für teure Süßweine nicht zu. Mein Kopf sagte „Nein“ und mein Mund sagte „JA!“ und schon hatte ich ein feines Glas mit dem zähflüssigen, karamellfarbenen Sauternes vor mir stehen. Mir war bewusst, dass Sauternes und Gänsestopfleber eine klassische Kombination ist, warum das so ist, wurde mir aber erst an diesem Abend bewusst. Der füllige, süße Wein nahm der Gänsestopfleber die Fettigkeit, und die Aprikosenaromen gaben dem Gericht eine zusätzliche Frische. Ich begriff außerdem, dass es bei der Auswahl eines Weins zum Essen nicht etwa darauf ankommt, dass er ähnlich riecht oder schmeckt. Nein, es geht darum, dass der Wein dem Gericht etwas gibt, was es nicht hat und es dadurch besser macht!

Die klassischen Kombinationen durchzuarbeiten hat mir seitdem Spaß gemacht, richtig spannend wird es aber erst, wenn man ganz neue perfekte Kombinationen entdeckt. Die spannendste Kombination, die ich in letzter Zeit für mich entdeckt habe, ist Moscato d’Asti und Thai Curry. Während zwischen den zwei Ursprungsorten einigen tausend Kilometer liegen, sind sie doch am Tisch ganz dicht beieinander. Der Moscato hat wenig (5,5% vol.) Alkohol, eine kräftige Süße und ein intensives Aroma nach exotischen Früchten, sowie eine frische Säure. Das Curry ist scharf, cremig und dezent süßlich. So gibt der Wein dem Essen auch etwas, was es nicht hat. Außerdem würde zu viel Alkohol die Schärfe noch mehr verstärken… Das würde meine westeuropäisch konditionierte Zunge nicht überstehen. Ein trockener, weniger aromatischer Wein würde nicht gegen das kräftig gewürzte Curry bestehen. Das Zusammenspiel im Mund ist hier perfekt – ich rate Euch es, einmal auszuprobieren.

Lasst es mich wissen, was Ihr von der Kombination haltet – auch wenn es Euch nicht geschmeckt hat!

Einen sehr guten Moscato d’Asti gibts auch hier bei mir.

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